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Urkundliche Nachrichten von 1700

Die wichtigsten Urkunden aus der Zeit um 1700, die einen Einblick geben in den Stand der Besiedelung des Ihmerter Tales um diese Zeit und die Jahrzehnte vorher, sind folgende: 

a) Die Steuerveranlagung der contribuablen Güter aus dem Jahre 1705

b) Das älteste, mit dem Jahre 1708 beginnende Kirchenbuch der Kirchspielsgemeinde Iserlohn

c) Das Verzeichnis der Grabstellen auf dem untersten Kirchhof in Iserlohn aus dem Jahre 1687 

a) Die damalige Königliche Regierung hatte verordnet, dass bei allen abgabepflichtigen Gütern festgestellt werden sollte, welchen Betrag diese außer den laufenden Steuern noch aufbringen könnten. In jedem Amt hatte darüber eine Kommission in Anwesenheit eines Notars und des jeweiligen Ortsvorstehers zu entscheiden. Für das Amt Iserlohn erfolgte diese Verhandlung am 5. Februar 1705. Wertvoll für die Beurteilung des Standes der Besiedelung ist diese Steuerveranlagung einmal durch die Angabe der Bewohner der Güter mit Vor- und Haus­namen und zum andern dadurch, dass sie auch über die Größe des zu jedem Hof oder Kotten gehörigen Grundbesitzes orientiert. In diesem Zusammenhang ist kurz hinzuweisen auf eine andere Urkunde, nämlich die Aufstellung der Höfe im Amt Iserlohn, die der Richter Arnold Pütter am 3. Dezember 1731 an die Regierung in Cleve eingereicht hatte. Sie enthält, abgesehen von 3 inzwischen Verstorbenen, die gleichen Per­sonen, die auch die Steuerveranlagung von 1705 erwähnt, aber sie ist insofern wichtig, als durch sie einige Schreibfehler berichtigt werden können. Es sind in, der Steuerveranlagung die Personennamen „Koete“ und „Huete“ und der Flurname „Sieberg“, die zu korrigieren sind in „Korta“, „Hülter“ und „Sülberg“. 

b) In dem ältesten Kirchenbuch der Kirchspielsgemeinde Iserlohn sind die Eintragungen der Taufen, Trauungen und Sterbefälle von 1708-1753 enthalten, die von dem Pfarrer Georg Thomas Urbani und nach dessen 1748 erfolgten Tode von seinem Nachfolger Pfarrer Hermann Heinrich Seitmann gemacht worden sind. Sie geben ziemlich genau Auskunft über die Familien, die damals im Ihmerter Tal gewohnt haben, unter­richten über Namen, Wohnort und Lebenszeit der einzelnen Familien­glieder und sind dadurch eine wertvolle Ergänzung der in der Steuerveranlagung enthaltenen, Angaben. 

c) Das Grabstellenverzeichnis aus dem Jahre 1687 ist ein kleines Buch, in dem der Pfarrer der Kirchspielsgemeinde Iserlohn, Jobst Diedrich Varnhagen, der Vorgänger Urbanis, die von seinem Totengräber ge­machten eidlichen Aussagen über die Gräber des damaligen, an der Kirchspielskirche gelegenen, so genannten „Untersten Kirchhofes“, nieder­geschrieben hat. Ungefähr 400 Grabstellen sind in diesem Buch aufge­führt; war doch dieser Kirchhof in jener Zeit Begräbnisstätte nicht nur für Verstorbene vom Lande, sondern auch vieler aus der Stadt. Welchem Umstände die Aufstellung dieses Verzeichnisses zu verdanken ist, welche Angaben es über die einzelnen Grabstellen enthält und zu welchem Zweck es angelegt wurde, gibt am besten das Vorwort auf den ersten Seiten des Buches wieder, das (etwas verkürzt) wörtlich lautet: 

„Nachrichtliche Verzeichnis

wegen der Begräbnisse auf hisigem Untersten Kirchhofe

verzeichnet und aufgesetzet im Jahr 1687. 

Als man wahrgenommen, dass er, Herman Hunecke, Todtengräber hiselbst, nach dem er 36 Jahr dis ampt alhi verrichtet, nunmehr zu solchem alter und stände gerathen, dass seines Lebens nicht länger versichert, und weiter dan niemand sonderliche Wissenschaft von der Todtengräberei gehabt, gestalt mannigsmal selbst die besitzere, oder eigentumsherren, ihre eigene begräbnisse nicht gewußt, so hat man, so vil müglich, streit zu verhüten und denen Nachkommen zum Besten, Ihne, Herman Hunecke, an aideß statt abgefraget, dessen ohnpardeiische aussage in das Buch notiret und eingeschriben, auch mit folgenden Numeris jede begräbniß nebst der breite und länge, fuß-weise abge­messen, der Hoffnunge, dass himitt viele Uneinigkeit, mißverständnis und Confusion verhütet werden.“ 

Da die meisten der in den vorigen Urkunden erwähnten Familien aus Ihmert und Umgegend auch in diesem rund 20 Jahre früher verfassten Grabstellenverzeichnis enthalten sind, ist dieses bedeutsam für die Beurteilung der Besiedelung des Ihmerter Tales vor 1700.

Es sei nun im folgenden der Text der Steuerveranlagung des Jahres 1705 wörtlich wieder gegeben, soweit sich daraus Schlüsse auf die Besiede­lung ziehen lassen, und zwar geordnet nach den aus dem Kirchenbuch und Grabstellenverzeichnis sich ergebenden Wohnplätzen im Tal und, der besseren Übersicht wegen, mit alphabetischer Reihenfolge der Na­men der Bewohner des Ortsteiles Ihmert. Anschließend wird dargelegt werden, was aus dieser Übersicht für den Stand der Besiedelung des Ihmerter Tales um 1700 und die Jahrzehnte vorher zu entnehmen ist. Wo einzelne andere urkundliche Nachrichten zur Vervollständigung des Bil­des beitragen, werden sie an gegebener Stelle Berücksichtigung finden. 

Aufnahme der contribuablen Güter der Grafschaft Mark

Matrikel-Anschlag des Amtes Iserlohn vom 5. Februar 1705

Imerter Baurschaft

 

 

Malterscheid

Scheffelsaal

Dieckgraben

 

 

 

1. Jürgen Dieckgrave

Cammergut

40

2. Engelbert Veseforde

Cammergut

40

Westendorf

 

 

 

1. Moritz Westendorff

Cammergut

40

2. Johan Westendorff

Cammergut

35

Ihmert

 

 

 

1. Peter Alberts

 

9

2. Jürgen Allewert

 

9

3. Adrian Broickmann

ein bloßes Haus

4. Buschmann

 

4

5. Diedrich Erdmann

 

6

6. Hieronymus Erdmann

nur ein Häußgen

7. Rötger Erdmann

nur ein Häußgen

8. Thomas Goswin

 

1

9. Hannes Grobe

 

9

10. Caspar Heer

nur ein Häußgen

11. Hermann Knips

 

9

12. Diedrich Lotters

 

31

13. Jacob Meyweg

 

9

14. Henrich Rentrop

 

9

15. Peter Schlieper

 

7

16. Stoffel am Hew (Heu)

nur ein Häußgen

17. Henrich Voß

nur ein Häußgen

 

Holmecke

 

 

 

1. Berent Koete (Bernhard Körte)

 

3

2. Peter Kampmann

 

 

Ihmerterbach (Rothbrauck)

 

 

 

1. Hermann Huete (Hülter)

 

2

Sülberg

 

 

 

1. Henrich Sieberg (Sülberg)

 

36

2. Thomas Echtem

 

30

Bredenbruch

 

 

 

1. Johan Bredenbroich

 

38

Große Veränderungen sind seit 1503 im Ihmerter Tal vor sich gegangen. Eine ganze Reihe neuer Siedler hat sich seitdem hier niedergelassen. In Westendorf und auf dem Sülberg ist je ein neuer Bauernhof entstanden, so dass die Zahl der größeren Höfe von 6 auf 8 gestiegen ist und statt der früheren etwa einem halben Dutzend kleinerer Ansiedlungen gibt es nun deren 19 im ganzen Tal.

Unter den Familiennamen der Bewohner des Ihmerter Tales, die die Steuerveranlagung aufführt, sind aus früheren Urkunden bekannt: Albert, Allewert und Knips. Ersterer war erwähnt worden in dem Schatzbuch der Grafschaft Mark (1486) und in der Liste der Freigüter des Jahres

1600, in welcher auch die beiden anderen Namen Allewert und Knips vorkommen. Neu sind die Familiennamen Broickmann, Buschmann, Erd­mann, Goswin, Grobe, Heer, Lötters, Meyweg, Rentrop, Schlieper, Voß, Körte, Kampmann und Hülter. Dass, mit Ausnahme von Grobe, Körte und Hülter, alle übrigen Familien auch im Grabstellenverzeichnis von 1687 als Besitzer einer Grabstelle aufgeführt sind, lässt darauf schließen, dass diese Familien nicht erst jetzt, sondern bereits Jahrzehnte früher sich hier im Ihmerter Tal angesiedelt haben. Eng mit der Scholle ver­bunden und bestrebt, ererbtes väterliches Gut zu erhalten und, soweit möglich, zu vermehren, wächst eine bodenständige Bevölkerung heran, so dass auch durch die folgenden Jahrhunderte mancher dieser Familien­namen sich hier erhalten hat.

In dem Text der Steuerveranlagung fällt auf, dass die Flurbezeichnungen. Dieckgraben, Westendorf und Sülberg als Hausnamen eingetragen sind. In alter Zeit kannte man nur Vornamen, und als Jahrhunderte später die Hausnamen aufkamen, war es auf dem Lande noch lange bei den Vor­namen geblieben. Dass auch im Ihmerter Tal diese Benennung bei den Bauern der größeren Höfe um diese Zeit vielfach noch üblich war, geht aus dem Kirchenbuch hervor. Dort sind nämlich im Sterberegister die in der Steuerveranlagung aufgeführten, auf dem Dieckgraben, in Westen­dorf und auf dem Sülberg wohnenden Personen wie folgt eingetragen: Jörgen auf dem Teichgraben (1741), Engelbert auf dem Teichgraben (1732), Johan zu Westendorf (1720), Moritz zu Westendorf (1726), Hen­rich auf dem Sülberg (1710) und Thomas vom Sülberge (1738). Erst von der Mitte des 18. Jahrhunderts ab sind auch im Kirchenbuch Dieckgrabe, Westendorf und Sülberg anerkannte Hausnamen. Der in dem Text der Steuerveranlagung genannte Johan Bredenbroich ist Kötter von Beruf, und unter diesem Namen „Kötter“ sind die Glieder seiner Familie und seine Nachkommen im Kirchenbuch verzeichnet.

Nicht nur die Zahl der neuen Ansiedlungen, sondern auch die Größe des durch mühevolle Arbeit alter und neuer Siedler gewonnenen brauchbaren Ackerlandes ist maßgebend für die Beurteilung der Ver­änderungen im Ihmerter Tal seit 1500.

Auskunft darüber geben die beiden letzten Spalten der Steuerveran­lagung mit den Angaben des zu jedem Hof oder Kotten gehörigen Grundbesitzes. Rechnet man diese Zahlen zusammen, so ergibt sich eine für Landwirtschaft nutzbare Grundfläche von 356 Malterscheid und 18 Scheffelsaat. Malterscheid und Scheffelsaat, vielfach in damaliger Zeit, vor allem auch im märkischen Sauerland als Feldmaß gebräuchlich, bezeichnen die Größe eines Feldes, mit der die angegebene Quantität Getreide an Malter oder Scheffel besät werden konnte. Da nun damals in hiesiger Gegend auf ein Malter 4 Scheffel gerechnet wurden, so betrug die gesamte nutzbare Ackerfläche im lhmerter Tal damals rund 360 Malterscheid.

Welche Grundfläche ist nun aber mit Malterscheid gemeint? Einen erklärenden Hinweis gibt Woeste, indem er auf die Urkunde Nr. 1566 in dem altdeutschen historisch-diplomatischen Wörterbuch von Ant. Jos. Wallraf, Köln, aufmerksam macht. In dieser Urkunde heißt es: „ein mallderseth of anderthalue morgen goed lantz“. Danach würde 1 Mal­terscheid eine Fiäche von 1½ Morgen sein. Eine andere Erklärung gibt Stichling in seiner Abhandlung: „Die kulturhistorische Bedeutung der Feldmaße, insbesondere ihre Beziehung zum deutschen Sprachgut“. Dort schreibt er: „Ein Malter entsprach in Westfalen der Größe des Morgens. In der Geschichte des Bodens in Westfalen und Niedersachsen haben die Worte Malter und Scheffel als Ackergröße eine vielhundert­jährige Bedeutung gehabt“. Es schwanken also die Angaben für einen Malterscheid zwischen einem und 1½ Morgen.

Ansehnliche Gebäude sind die Bauernhäuser auf dem Dieckgraben, in Westendorf, Ihmert und in Bredenbruch geworden. Auch darin hat sich einiges gegen früher geändert. Das geht aus der Beschreibung dieser Höfe in dem „Inventarium über die Domainen-Gebäude, Frecht und Pflanzungen in der Renthei Iserlohn“ vom Jahre 1739 hervor“. Es sind nun nicht mehr Fachwerkbauten, sondern Häuser, größtenteils mit 60 cm dickem Mauerwerk bis unter das Dach gemauert, mit Giebeln aus eiche­nen Brettern und Strohdächern, einer geräumigen Deele und Viehstäüen. Und neben dem Haus steht die Scheune. In Westendorf, Ihmert und Bredenbruch gibt es zudem je ein Backhaus, im Volksmund „Backs“ ge­nannt, und in Westendorf sogar als Nebengebäude ein Einwohnerhaus, überall ist ein „Kohl- oder Krautgarten“ vorhanden, der mit Buschwerk eingefriedigt und mit Obstbäumen bepflanzt ist.

Diese Bauernhöfe, früher einmal Freigüter, sind nun Domainengüter (Cammergüter), also staatlicher Besitz geworden, deren jetzige Bewoh­ner, wohl meistens die Erben der früheren Besitzer, als Pächter die Höfe bewirtschaften. Dass in dem oben wiedergegebenen Text der Steuerveranlagung die Bezeichnung „Cammergut“ nur bei den Höfen auf dem Dieckgraben und in Westendorf eingetragen ist, mag ein Ver­sehen sein; denn in dem erwähnten „Inventarium“ von 1739 sind auch die Höfe in Ihmert, auf der Holmecke und in Bredenbruch, freilich mit Ausnahme derer auf dem Sülberg, als Domainengüter bezeichnet.

Von allen übrigen Wohnhäusern, die es damals im Ihmerter Tal gab, ist allerdings anzunehmen, wie die Bezeichnung „Häuschen“ in dem Text der Steuerveranlagung vermuten lässt, dass es kleine und schlichte Häuser gewesen sind, in Fachwerk gebaut und ebenfalls mit Strohdächern versehen.

In damaliger Zeit galt es als Regel, dass ein Bauernhof eine Größe von mindestens 30 Morgen haben müsse, um eine Familie zu ernähren. Wie aus dem Text der Steuerveranlagung ersichtlich ist, war ein solcher Grundbesitz vorhanden bei den 8 größeren Bauernhöfen im Ihmerter Tal. Daneben gab es 7 Bewohner mit einem Besitz von rund 10 Morgen, während die übrigen 12 nur wenig oder gar kein Ackerland hatten. Sicher hat es unter diesen Handwerker gegeben, einen Schmied, Schuster, Schneider oder auch Tagelöhner, die auf einem der größeren Bauernhöfe als Knechte arbeiteten. Wenn bei ihnen zu dem Verdienst aus dieser Arbeit der Ertrag ihres Landes hinzukam, das es ihnen zudem ermög­lichte, ein Schwein oder eine Kuh zu halten, dann reichte das hin zu bescheidenem Lebensunterhalt für ihre Familie. Doch damit war nur einigen wenigen dieser Familien geholfen. Von welcher Tätigkeit lebten aber die anderen?

Wie in der heutigen Zeit so war auch damals die Regierung bemüht, statistische Nachrichten, und zwar meistens alljährlich, zu erhalten über die zu jedem Dorf oder Kirchspiel gehörige Zahl der Untertanen mit Angabe des Gewerbes, Geschlechtes, Alters und Standes, wie die Ver­ordnungen der Königl. Kriegs- und Domainen-Kammer in Cleve vom 9. 11. 1722, 12. 3. 1725 und 9. 2. 1735 beweisen. Die Ausfüllung dieser statistischen Fragebogen, „historische Tabellen“ genannt, scheint indes schon in jener Zeit recht unbeliebt gewesen zu sein; denn immer wieder mussten die zuständigen Beamten an die Einsendung derselben erinnert werden. Leider liegen solche Urkunden, aus denen sich Näheres über die Beschäftigung dieser kleinen Siedler im Ihmerter Tal ergeben hätte, nicht vor. Entweder sind sie verloren gegangen oder ruhen noch unveröffentlicht in Archiven.

Auch aus dem Kirchenbuch der Kirchspielsgemeinde Iserlohn ist darüber nichts zu erfahren; denn bei den Eintragungen der Taufen, Trauungen und Sterbefälle fehlt fast durchweg die Angabe des Berufes. Und wo in ganz vereinzelten Fällen ein solcher genannt wird, bleibt der Familien­name fort, z.B. „1719 d. 15. Jan. getauft des Schusters zu Ihmert Tochter Anna Maria Elisabeth“.

Klarheit in dieser Sache gibt endlich ein Verzeichnis der Kratzendraht­zieher von Iserlohn und Umgegend aus dem Jahre 1734. Daraus ist nämlich zu ersehen, dass Angehörige der Familien Alberts, Broickmann (vom Braucke), Erdmann, Goswin, Heer, Hülter, Kampmann, Knips, Körte und Voß Drahtzieher waren. Wohl ganz in der Still,e hatte es sich zugetragen, dass irgend einer, dessen Name kaum je ergründet werden wird, hier das Drahtziehen begann. Das war ja in der Umgegend kein unbekanntes Gewerbe. In Evingsen, Altena, Iserlohn und Westig gab es schon längst Drahtrollen. War es ein Einheimischer, der auf diese Idee gekommen war oder hatte ein neu Zugezogener, ein Drahtzieher von Beruf, dieses Gewerbe hier eingeführt? Jedenfalls ist das für das Ihmerter Tal ein Ereignis von weittragender Bedeutung gewesen und hat den Grundstein gelegt zu der Stellung, die heute Ihmert im Wirtschafts­leben einnimmt. Wann das Drahtziehen hier begonnen hat, lässt sich nicht genau bestimmen. Wenn aber im Jahre 1687 an einer Verhandlung von Iserlohner Kaufleuten mit den Kratzendrahtziehern der Iserlohner Schmiedezunft als bevollmächtigte Vertreter auch die Drahtzieher aus der Ihmerter Bauerschaft, nämlich: Henrich Voß, Diedrich Erdtman, Adrian Brockmann und Peter Körte teilnehmen und deren Namen neben den Zögern aus anderen Bauerschaften als Unterschrift unter dem Protokoll stehen l:1), dann ist daraus zu schließen, dass das Drahtziehen im Ihmerter Tal schon lange vor dieser Zeit üblich war und diese Familien seit Jahrzehnten hier gewohnt haben. Wie sich diese Tätigkeit des Drahtziehens im Ihmerter Tal entwickelt hat, kann an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden, sondern muss einer späteren, gesonderten Bearbeitung vorbehalten bleiben.

Aus dem Text der Steuerveranlagung von 1705 ist zu ersehen, dass es in dem Ortsteil Ihmerterbach damals nur eine Ansiedlung, und zwar auf dem Rothbrauck (in der Nähe der Einmündung des heutigen Frönsberger Weges), bewohnt von Hermann Hülter, gegeben hat. Auch in dem Grab­stellenverzeichnis, in dem übrigens der Name „Hülter“ fehlt, kommt die Ortsbezeichnung „Imerterbecke“ bei keinem der Besitzer von Grab­stellen vor. Im Trauregister 1713 und Taufregister 1714 wird zwar ein Johann Dieterich auf dem Brocke in Ihmerterbach erwähnt, doch genauere Untersuchungen haben ergeben, dass auch hier der Rothbrauck in Ihmer­terbach gemeint ist.

Erst in der Zeit nach 1720 müssen in Ihmerterbach vom Rothbrauck auf­wärts weitere Wohnhäuser entstanden sein; denn aus den Eintragungen der Taufen, Trauungen und Sterbefälle im Kirchenbuch ergibt sich, dass nun die Familien des Caspar auf dem Braucke (eine andere Linie als die oben genannte), Peter Erdmann, Johann Peter Kayser, Peter Melchert und Edmund Ossenberg hier wohnen. Die ersten 3 Familien kommen aus Ihmert, die 4. zieht aus Evingsen und die letzte aus der Wachmecke zu. Zum Teil sind es jungvermählte Ehepaare, die sich hier niedergelassen haben; alle Männer sind Drahtzieher. Es besteht daher die Vermutung, dass diese Häuser in der Nähe der Drahtrollen gebaut worden sind.

Eins dieser Häuser führt von alters her einen Beinamen. Daher ist seine Lage genau bekannt. Es ist das Haus des Peter Erdmann. In dem bereits zitierten Verzeichnis der Kratzendrahtzieher vom Jahre 1734 wird er genannt: „Peter Erdmann in dem Plathause“ und auch in den Kirchen­büchern findet sich verschiedentlich die Bezeichnung: „Platthaus“ und „plattes Haus“ l4). Bis in das 20. Jahrhundert hinein hat sich nämlich der Brauch erhalten, diese Bezeichnung des Hauses mit dem Vornamen ihrer Bewohner zu verbinden; hießen sie doch im Volksmund nicht anders als „Platthaus-Friedrich“, „Platthaus-Rudolf“ und „Platthaus-Albert“. Heute stehen dort 2 Häuser, die beide im Besitz von Nach­kommen dieses Peter Erdmann sind. Auf dem Fundament des, von Ihmert gerechnet, untersten Gebäudes hat das älteste Haus gestanden.

Eine Ausarbeitung von Familienstammbäumen aller damaligen Bewohner des Ihmerter Tales auf Grund der Aufzeichnungen der Taufen, Trauungen und Sterbefälle in dem ältesten Kirchenbuch hat zu folgenden interessan­ten Ergebnissen geführt:

Neben den aus dem Text der Steuerveranlagung ersichtlichen Familien haben zu dieser Zeit noch einige andere hier gewohnt, nämlich: Ernst Schürmann in Westendorf, der Schulmeister Johan Flecke in Ihmert und die Drahtzieher Conrad Winner in Ihmert, Dietrich Bücking sowie Johann Dietrich Krefft in Bredenbruch. Dass diese in der Steuerveranlagung fehlen, erklärt sich daraus, dass sie weder ein Haus noch irgendwelchen Grundbesitz gehabt haben, sondern als „Einlieger“ bei anderen Familien wohnten.

Am 1. Januar 1730 gab es im Ihmerter Tal 57 Familien mit 289 Per­sonen. Diese verteilten sich auf die einzelnen Ortsteile, wie folgt: Dieckgraben 17, Westendorf 25, Ihmert 162, Holmecke 11, Ihmerterbach 27, Sülberg 14 und Bredenbruch 33.

Unter den 57 Familien waren 6 Familien Erdmann, 5 Familien vom Braucke und Hülter, 3 Familien Albert, Knips, Lötters und 2 Familien Goswin, Grove, Kampmann, Körte, Sülberg und Winner.

Es ist möglich, dass damals noch einige Personen oder Familien hier ge­wohnt haben, deren Namen im Kirchenbuch nicht verzeichnet sind, so dass die Gesamtzahl in Wirklichkeit etwas höher gewesen ist. Katholische Bewohner dürfte es wohl kaum gegeben haben. Man wird daher nicht fehl gehen in der Annahme, dass die gesamte damalige Einwohner­zahl im Ihmerter Tal rund 300 Seelen betragen hat.Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Siedlungstätigkeit im Ihmerter Tal in der Zeit von 1500-1700 erhebliche Fortschritte gemacht hat. Manche äußeren Umstände haben zu dieser günstigen Entwicklung bei­getragen.

Das ganze 16. Jahrhundert hindurch herrschte Friede im märkischen Sauerland, so dass die Siedler ungestört nicht nur säen und ernten, sondern auch durch Urbarmachen weiteren Landes ihren Grundbesitz vergrößern konnten. Und als im 17. Jahrhundert, namentlich im Verlauf des 33jährigen Krieges, es zahlreiche Truppendurchzüge, Einquartierungen und Plünderungen auch in unmittelbarer Nähe, z.B. in Iserlohn, gab, waren die das Tal umgebenden Wälder ein willkommener Schutz gegen feind­liche Oberfälle, zumal es damals an bequemen Zugangsstraßen fehlte. Aus Schilderungen jener Zeit geht hervor, dass beim Herannahen solcher plündernder Söldnerheere viele Haus und Hof verlassen und einsame Gegenden aufgesucht haben, um dort gesicherte Unterkunft zu finden. Wer weiß, ob nicht der eine oder andere auch als solch ein Flüchtling gekommen und hier geblieben ist! Vor allem aber dürfte es das Gewerbe des Drahtziehens gewesen sein, das manche damals veranlaßt hat, sich hier im Ihmerter Tale anzusiedeln.

geschrieben von Pfarrer Karl Thom
entnommen aus "Der Schlüssel" 1961 - Die Besiedelung des Ihmerter Tals

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