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Gründung der ev. Kirchengemeinde

In früheren Jahrgängen des Schlüssels hat Pfarrer Thom bereits mehrere Beiträge zur allgemeinen Historie des Ihmerter Tales veröffentlicht: die Ge­schichte der Besiedlung und die der Entwicklung des Drahtzieherhandwerkes. Wenn nun in diesem Heft von den Begleitumständen der Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde erzählt werden soll, dann stützt sich der Beitrag ganz und gar auf die Geschichte der Gemeinde, die ebenfalls Pfarrer Thom für das Lagerbuch der Kirchengemeinde geschrieben hat.

Am 6. 11. 1920 traf in Ihmert die Urkunde über die Errichtung einer eigenen Pfarrei ein, zurückdatiert auf den 1. 4. 1920, unterschrieben von dem damali­gen Präsidenten des Konsistoriums der Kirchenprovinz Westfalen, Starke, und dem Leiter der Abteilung Kirchen und Schulen bei der Regierung in Arnsberg, Nobiling. In Ihmert herrschte große Freude, war doch damit das Ende einer Entwicklung erreicht, die schon im Jahre 1912 begonnen hatte. Der erste Weltkrieg hatte verhindert, dass schon eher konkrete Schritte auf die Grün­dung hin unternommen werden konnten, die Zeit zwischen 1914 und 1918 brachte andere Sorgen mit sich.

Jahrhundertelang waren Ihmert und Bredenbruch, das in diesem Zusammen­hang immer mit gemeint ist, auch gemeinsam zu klein und auch zu arm, um die finanziellen Belastungen einer eigenen Pfarrei tragen zu können. Es gab nur einige größere Höfe, ansonsten ernährten sich die Bewohner von dem bescheidenen Verdienst, den sie mit der Drahtzieherei erzielten, und von den Erträgen kleinerer Landwirtschaften. Die volkstümlichen Namen, mit denen die Ihmerter und die Bredenbrucher auf dem Markt in Iserlohn begrüßt wurden, zeugen von der Kargheit des täglichen Lebens.

Das Zeitalter der Industrialisierung schaffte aber auch in Ihmert Wandel. Die Drahtrollen der alten Zeit wurden zu Industriebetrieben, die vielen Menschen Arbeit und Verdienst boten, die Bevölkerung wuchs, damit auch die Steuer­kraft. So zahlte man im Jahre 1919 ca. 20000,— Mark Kirchensteuer an die Kirchspielsgemeinde Iserlohn, zu der Ihmert wie auch andere Gemeinden im Umkreis Iserlohns gehörte, Iserlohn aber hatte nur 1000,— Mark Auslagen für die Gemeinde Ihmert, und zwar als Beihilfe zum Gehalt des Hilfspredigers, den es seit 1911 für Ihmert und Kesbern gab. Es war also ein recht erklecklicher Gewinn, den Iserlohn jahrelang aus Ihmert zog. Dieser Tat­bestand war einigen Ihmerter Bürgern nicht verborgen geblieben, und so war es natürlich, dass der Wunsch, sich von Iserlohn zu lösen, auch sehr handfeste finanzielle Hintergründe hatte. Wir wollen nicht unterstellen, dass alle Ihmerter davon wussten, die meisten hatten vor allem eine andere Klage: Der Weg nach Iserlohn zur Kirche war weit und beschwerlich. Man ging durch den Glüsing, besonders im Winter war das den Kindern nicht mehr zuzumuten. Es mag auch mitgespielt haben, dass man diese Wanderung nicht mehr als so selbstverständlich ansah, wie in früheren Jahrzehnten, dass im Jahre 1913 die Kleinbahn von Westig in das Ihmerter Tal hinauf in Betrieb genommen wurde. Wie dem auch gewesen ist, es bestand jedenfalls der berechtigte Wunsch nach einem eigenen kirchlichen Leben. Dem hatte Iser­lohn zunächst dadurch Rechnung getragen, dass es für Ihmert und Kesbern im Jahre 1911 eine Hilfspredigerstelle einrichtete, die mit dem Hilfsprediger Stüwe besetzt wurde. Das war schon ein großer Fortschritt in Richtung auf die Eigenständigkeit Ihmerts, wurde doch von da an in den eigenen Schulen Gottesdienst und Unterricht gehalten, während die Amtshandlungen, wie Taufen und Trauungen, in den Häusern stattfanden. Auch der Pastor wohnte nun schon im Dorf. Doch man wollte mehr, im Blick auf die Steuerkraft der Gemeinde ein verständliches Ansinnen. Im Jahre 1913 trat Pastor Karl Thom seinen Dienst in Ihmert an, er blieb Pfarrer der Gemeinde bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1955.

Die eigentliche Gründung der Gemeinde angeregt zu haben, war das Ver­dienst der Fabrikanten Friedrich Heer in Ihmert und Heinrich vom Braucke in Ihmerterbach. Pfarrer Thom hielt sich bewusst zurück. Die beiden Herren luden die Evangelischen beider Ortsteile zu einer Besprechung kirchlicher Angelegenheiten für den 16. 6. 1919 in den Saal von Friedrich Rose ein. Zu dieser Versammlung erschienen 41 Gemeindeglieder. Pfarrer Thom war nichtanwesend, die Initiative ging, wie schon erwähnt, ganz von den Gemeinde­gliedern selbst aus. Die Versammlung beschloss, an das Presbyterium der Kirchspielsgemeinde Iserlohn den Antrag zu richten, es möge die erforder­lichen Schritte in die Wege leiten, um Ihmert aus dem Verband der Kirchen­gemeinde zu entlassen. Der Antrag enthielt weiter die Aufforderung, man möge sich auch zu einer finanziellen Auseinandersetzung bereitfinden, damit die neue Gemeinde lebensfähig sei. Später wurde dieses Schreiben von 247 Ihmertern und 137 Bredenbruchern unterzeichnet; wenn man bedenkt, dass dies wohl nur die Männer taten, dann haben sich beinahe alle an der Unter­schriftenaktion beteiligt. In der Versammlung wurde noch ein Kirchenaus­schuß gewählt, der die Verhandlungen weiterführen sollte. Das Presbyterium der Kirchspielsgemeinde stimmte dem Ansinnen am 5. 8. 1919 in einer Sitzung zu, die größere Gemeindevertretung schloss sich am 17. 8. 1919 der positiven Beurteilung an. Das Konsistorium der damaligen Kirchenprovinz Westfalen in Münster war bereits von Ihmert aus unterrichtet worden, auch dort lagen keine Bedenken vor, es musste allerdings noch eine Anhörung aller Beteilig­ten erfolgen. Diese wurde für den 3. 10. 1919 für den Vormittag in Ihmert, für den Nachmittag in Iserlohn festgesetzt. Man einigte sich, die Gemeinde Ihmert in die Selbständigkeit zu entlassen und ihr eine finanzielle Ausstat­tung in Höhe des Kirchensteueraufkommens zu geben, dazu eine Abfindung von 25000,- DM, zahlbar zur Hälfte in Kriegsanleihen zum Nennwert. Die Einwohner von Kesbern, die mit Ihmert bisher in einer Pfarrstelle verbunden waren, erklärten allerdings in ihrer Mehrheit, bei Iserlohn verbleiben zu wollen.

Es hat noch ein Jahr gedauert, bis die Urkunde über die Errichtung der neuen Gemeinde in Ihmert eintraf. Um die Angelegenheit zu beschleunigen, reisten die beiden Fabrikanten sogar noch nach Berlin zum Oberkirchenrat der Ev. Kirche der altpreußischen Union, bei dem damals die letzte Entscheidung lag. Ihre Mühe wurde belohnt, die kirchliche Bürokratie beeilte sich. Damit war die eigenständige Entwicklung eingeleitet. Von dem finanziellen Grundstock allerdings blieb, bedingt durch unerfreuliche Weigerungen Iserlohns, in der Folge der Inflationsjahre nicht viel übrig. Auf die eigene Kirche hat die Gemeinde noch einmal ein Jahrzehnt warten müssen, ehe sie unter großen Schwierigkeiten in den Jahren 1929-1931 gebaut werden konnte. Aber gerade dieses Mühen um das gemeinsame Ziel diente auch dazu, das Bewusstsein der eigenen Verantwortlichkeit zu gründen und zu stärken. Heute ist aus der anfangs recht kleinen evangelischen Gemeinde von 950 Seelen eine große von ca. 3000 Angehörigen geworden. Neue Gebäude sind noch hinzugekommen, sie dienen den Menschen zur Ver­kündigung des Evangeliums und zur Betreuung der Kinder. Wir können froh sein, dass dies alles erreicht wurde.

geschrieben von Pfarrer Jörg Ellmer
entnommen aus "Der Schlüssel" - Die Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Ihmert 

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Chorprobe, MGV Ihmert
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