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Anfänge des Drahtzugs

Am Anfang dieses Jahrhunderts gab es im Ihmerter Tal noch einige mit Wasserkraft betriebene Drahtrollen. Es waren kleine, meistens aus Bruchsteinen errichtete einstöckige Gebäude, deren Wände von außen und innen verputzt und mit Kalk gestrichen waren. Unmittelbar am Ihmerter Bach gelegen, von Wiesenflächen, zum Teil auch schattigen Bäumen umgeben, fügten sie sich harmonisch dem Landschaftsbilde ein. Durch den Ihmerter Bach wurden die Wasserräder angetrieben. Da aber dieser Bach vielfach nicht genügend Wasser lieferte, war bei einigen Drahtrollen ein Teich, ein so genanntes Staubecken angelegt worden, in dem für die Zeit des Drahtziehens ein Vorrat an Wasser angesammelt wurde. 
Drahtrollen, oder kurz „Rollen“, hießen diese Arbeitsstätten der Drahtzieher seit alter Zeit zum Unterschied von den übrigen mit Wasserkraft betriebenen Werken, die den Namen „Mühlen“ führten, z. B. Kernmühle, Papiermühle, Fingerhutsmühle. Ja, einigen dieser Drahtrollen im Ihmerter Tal hatte der Volksmund besondere Namen beigelegt. Solche waren: „Aufm Sinnernhaufen”, „Der Käbbel”, „Die Melchersrolle” und „Der Kuckuck”. 
Die nun folgende Abhandlung möchte einen geschichtlichen Überblick geben über das Drahtzieherhandwerk im Ihmerter Tal, soweit dieses in solchen Drahtrollen ausgeübt wurde. 

I. Wann hat das Drahtziehen im Ihmerter Tal begonnen? 

Es ist eine durch Urkunden bewiesene Tatsache, dass in Iserlohn und Altena schon im 15. Jahrhundert Draht gezogen wurde. Auch in Evingsen gab es seit Ende des 16. Jahrhunderts Drahtzieher; denn 1595 haben, wie ebenfalls urkundlich feststeht, 10 Drahtzieher aus diesem Ort auf der Burg Altena vor dem Drosten Dietrich Ovelacker den Eid der Drahtzieher geleistet. Hier erhebt sich die Frage: „Seit wann gibt es das Drahtzieherhandwerk auch im Ihmerter Tal?” 

Als zu Anfang des 17. Jahrhunderts den Drahtziehern in Altena die Anlage neuer Drahtrollen im Amt Iserlohn, zu dem damals auch die Bauerschaft Ihmert gehörte, bekannt wurde, forderten sie in einer im Jahre 1603 an die Regierung in Cleve gesandten Eingabe, diese Rollen zu beseitigen und den Bau neuer Rollen zu verbieten. Sie beriefen sich dabei auf einen Erlass des Herzogs Johann III. vom Jahre 1518, ihres damaligen Landesherren. Dieser hatte nach dem Brande, durch den ein großer Teil der Stadt Altena vernichtet worden war, verfügt, „dass niemand von unseren Bürgern und Eingesessenen zu Altena, die dort Haus und Hof gehalten haben, die dort das Amt des Drahtziehens hantiert und gebraucht haben, daraus fortziehen und sich in anderen unseren Städten oder Flecken, um dort dasselbe Handwerk zu betreiben, begeben oder niederlassen sollen”. Diese Verordnung war ergangen in der richtigen Erkenntnis, dass nur durch ein Verbleiben der Bürger und insbesondere der Drahtzieher in der Stadt die gegenwärtige Notlage überwunden werden könne. Diesen Erlass legten die Drahtzieher in Altena nun dahin aus, dass nur sie allein berechtigt seien, das Drahthandwerk auszuüben. Das führte natürlich zu scharfen Auseinandersetzungen mit den Drahtziehern von Iserlohn. Es würde zu weit führen, darauf hier näher einzugehen; aber in den Anträgen und Erwiderungen im Verlauf dieses Streites sind Angaben enthalten, die für die Beurteilung der Frage nach dem Beginn des Drahtziehens im Ihmerter Tal von Bedeutung sind. Es sind folgende: 

a) Als auf die Eingabe der Altenaer Drahtzieher im Jahre 1603 der Droste von Ovelacker dem Iserlohner Richter Hermann zur Megede die Anweisung erteilte, dass der Bau von Drahtrollen eingestellt werden solle, beschwerte sich darüber der ebenfalls davon betroffene Melchior von Wrede in Frönsbert. In seinem Schreiben vorbei 1. 4. desselben Jahres heißt es: „Die Altenaer selbst könnten gar nicht leugnen, dass über aller Menschen Gedenken zu und um Iserlohn Drahtrollen gewesen, dass selbst innerhalb 3, 4, 5, 6, 10, 20 und 30 Jahr en mit deren eigenem Wissen und mit ihrer Duldung neue Rollen öffentlich erbaut und bis jetzt gebraucht worden seien“. 

b) In einer weiteren Klageschrift vom Jahre 1607 führten die Altenaer Drahtzieher unter anderem aus: „Wie dann auch nit allein die von Iserlohn mit den neu erbauten Drahtrollen fortfahren, sondern auch etzliche Hausleute sich unternehmen und Drahtrollen erbauen wollen, die doch sonsten zu Land, Wiesen, Gehölz und sonsten anderer Handthirung die Genüge haben, wie solches niemals erlebt”. 

c) Im Jahre 1624 weigerten sich 10 Drahtzieher von Evingsen, den vorgeschriebenen Eid in Altena zu leisten, weil Evingsen zum Amt Iserlohn und auch dorthin zur Kirche gehöre. Sie wandten sich an den Richter Hermann zur Megede in Iserlohn mit der Bitte, ihre Sache zu vertreten. In Megedes Beschwerde an den Drosten in Altena ist der Satz enthalten: „Wenngleich die Evingser am Ende des Amtes Iserlohn, und Altena näher gelegen seien, so wären sie doch denen von Altena nicht mehr als andere im Amt Iserlohn wohnende Drahtzieher, wie die zu Hemer, Sundwich, Westig und Deilinghofen unterworfen oder verpflichtet”. 

a') In einer weiteren Eingabe erklärten die Drahtzieher von, Evingsen, „sich nicht zu ihren, der Altenaeschen Sklaven gleichsamb machen zu lassen, nicht weniger als andere in hiesigen Ambts Bauerschaften zu Westig, Sundwich, Hemer und der Stadt Iserlohn selbst Drahtzögers dazu Lust tragen werden oder gehalten sein“. 

Aus diesen Äußerungen ist zu entnehmen, dass es seit langer Zeit vor 1600 „zu und um Iserlohn“ Drahtrollen gegeben hat und neue in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts gebaut worden sind. Als Ort bzw. Bauerschaften des Amtes Iserlohn, in denen sich solche Rollen befanden, werden genannt Westig, Hemer, Sundwig und Deilinghofen. Ferner erfährt man, dass nun auch Hausleute (Kötter) auf dem Lande, die sich und ihre Familie früher von dem Ertrag ihrer Landwirtschaft ernährt hatten, Drahtrollen anlegen wollen. Nirgends findet sich jedoch eine Erwähnung des Ortes oder der Bauerschaft Ihmert. Auffallend ist auch, dass die Evingser Drahtzieher in ihren Schriftstücken als Orte, in denen Draht gezogen wurde, die von ihnen entfernt liegenden Bauerschaften Westig, Hemer, Sundwig und Deilinghofen nennen, ab r die an Evingsen angrenzende Bauerschaft Ihmert nicht erwähnen. Daraus muss man schließen, dass vor 1600 das Drahtzieherhandwerk seinen Einzug in das Ihmerter Tal noch, nicht gehalten hat.

Es steht freilich fest, dass, wie an anderen Stellen der Mark, so auch im Ihmerter Tal früher Eisenerz gegraben und ausgeschmolzen worden ist. Johann Caspar Lecke (1694-1785) schreibt nämlich in seiner Chronik von Iserlohn: „In der Ihmerter Bauerschaft müssen viele Eysensteine gefunden sein. Die oben unter Ihmert an der Bache aufgetürmten Eysenschlacken beweisen eine da gewesene Schmelzstätte und die nicht allzu weit davon in den so genannten Bracken befindlichen Bingen bewähren solches“. 

Zur Zeit der Abfassung dieser Chronik im Jahre 1760 waren also noch die Schlackenhaufen und die Bingen (Pingen), treppenartige Abstufungen die nach dem Wegräumen der Erde zu der tiefer liegenden Erzschicht führten, zu sehen. Heute noch erinnern an jene Stätten in Ihmerterbach die im Volksmund gebräuchlichen Bezeichnungen „Sinnernhaufen“ am Abhang der Anhöhe und „Luppenbraicken“ in dem benachbarten Waldstück. Über offenen Feuern ist also auch hier in alter Zeit das aufgeschichtete Eisenerz ausgeschmolzen worden. Von den zusammengebackenen Klumpen, die man dadurch erhielt, schlug man die Schlacken (Sinnern) ab. Die dann übrig gebliebene Masse war das brauchbare Schmiedeeisen. 

Doch die Funde von Eisenerz und einst existierende Schmelzstätte im Ihmerter Tal können nicht als Beweis für die Herstellung von Draht in der Zeit vor 1600 angesehen werden; denn das auf diese Weise gewonnene Eisen war zum Drahtziehen nicht geeignet. Es reichte höchstens für die Anfertigung von landwirtschaftlichen Geräten aus, die Bauern vielfach selbst herstellten, soweit sie sich auf das Schmieden verstanden. 

Die älteste urkundliche Nachricht über die Ausübung des Drahthandwerkes im Ihmerter Tal ist enthalten in einem Vertrag, den mehrere Iserlohner und ein Hohenlimburger Kaufmann mit den Kratzendrahtziehern der Iserlohner Schmiedezunft am 8 Februar 1687 schlossen. 13ieser Vertrag trägt nämlich neben den Namen der Kratzendrahtzieher aus Iserlohn, Evingsen und Hohenlimburg auch die Unterschriften von folgenden Kratzendrahtziehern aus der Ihmerter Bauerschaft: 

Heinrich Voß, Peter Korte, Diedrich Erdtman, Adrian Brockman und Johan uffm Brock. Bemerkt ist dabei, dass außer dem letzteren alle des Schreibens unkundig waren und die Namen dieser auf deren Begehren Fr. Stippeyer als ihr Bevollmächtigter niedergeschrieben hat. 

Damit ist bewiesen, dass 1687 im Ihmerter Tal Draht, und zwar Kratzendraht gezogen wurde. Aus der Tatsache, dass die Namen der Drahtzieher aus der Ihmerter Bauerschaft als besondere Gruppe neben denen der Drahtzieher aus der Stadt Iserlohn, aus Hohenlimburg und der Bauerschaff Evingsen stehen, ja, dass die Ihmerter Drahtzieher überhaupt zu dieser Verhandlung in Iserlohn hinzugezogen wurden, ist ferner zu schließen, dass die Kratzendrahtzieher von Ihmert schon damals eine beachtliche Stellung in der Zunft der Drahtzieher einnahmen. 

Dieser Kratzendraht diente zur Anfertigung von Wollkratzen, bürsten-artigen Werkzeugen, mit denen man eine gleichmäßige Verteilung der Wollhaare zum Verspinnen erzielte. Zu diesem Zweck war nur ein besonders feiner und elastischer Draht verwendbar. Im Jahre 1615 war dieser, bisher ausschließlich in Aachen gezogene Draht in Iserlohn eingeführt worden, und seine Herstellung hatte hier und in der Umgegend in kurzer Zeit große Verbreitung gefunden. 

Wann im Ihmerter Tal mit dem Ziehen des Kratzendrahtes begonnen wurde, liegt zwar urkundlich nicht fest, lässt sich aber aus verschiedenen Aussagen in dem Streit um die Berechtigung, ihn zu ziehen, ungefähr ermitteln. 

Als im Jahre 1661 eine besondere Kratzendrahtordnung aufgestellt wurde, in der es darum ging, auch die Kratzendrahtzieher auf derlei platten Lande zu erfassen, hieß es in der Begründung: „Bei den gewesenen Kriegszeiten, bei welchen eine Ordnung zu halten gewesen, ist der Missbrauch eingerissen, dass auch auf dem platten Lande die Leute, welche sonsten dem Ackerwerk hätten abwarten sollen, zu solcher Drahtarbeit sich ergeben und ihre Kinder und Gesinde daran gewöhnet haben“. Mit diesen Kriegszeiten kann nur der 30jährige Krieg gemeint sein, im Verlauf dessen auch Iserlohn und Umgegend von 1621 ab schwer zu leiden gehabt hatten. Immer wieder erlebte Iserlohn Einquartierungen, und wenn die Soldaten abzogen, ließen sie eine geplünderte Stadt, verwüstete Felder und eine in Armut lebende Bevölkerung zurück. Mögen auch die Bewohner des Ihmerter Tales von Einquartierungen verschont geblieben sein und Überfälle kleinerer Abteilungen sich nur selten ereignet haben, weil ein dichter Wald sie von der Stadt Iserlohn trennte und es an bequemen Zugangswegen fehlte, zu den hohen Kriegsabgaben an Geld und Lebensmitteln mussten auch sie beitragen. Ganz besonders waren es die kleinen Kötter, die schon in Friedenszeiten mit ihrer Familie nur ein äußerst bescheidenes Leben führen konnten und nun durch die schweren Belastungen des Krieges in bittere Not gerieten. Ihnen konnte ein Nebenverdienst nur willkommen sein. Er bot sich, indem sie anfingen, Kratzendraht zu ziehen, zumal er mit einfachen Mitteln herzustellen war. So lernten einige der Kötter aus der Ihmerter Bauerschaft in Iserlohn oder einem benachbarten anderen Ort das Ziehen des Kratzendrahtes. Etwas später fing man damit im Ihmerter Tal selbst an, und andere folgten ihrem Beispiel. 

Es ist auch möglich, dass Drahtzieher selbst, um den Drangsalen des Krieges zu entgehen, auf ihrer Flucht nach einem abgelegenen Dorf nach Ihmert gekommen sind und hier das Drahtzieherhandwerk eingeführt haben. 

Aufschlussreich für die Feststellung, wann im Ihmerter Tal das Drahtziehen begonnen hat, ist auch folgende Aussage. 

Im Jahre 1674 beschwerten sich die Kratzendrahtzieher der Stadt Iserlohn durch ihren Bürgermeister bei der Regierung in Cleve darüber, dass durch die Drahtzieher im Amt Iserlohn und auf dem platten Lande eine große Menge Draht auf den Markt käme, wodurch ihr Lebensunterhalt geschmälert werde. In einer darauf anberaumten Verhandlung unter Leitung des Drosten von Neuhoff erklärten die Kratzendrahtzieher aus dem Amt und vom platten Lande, „dass im Amt fast ebenso lange als in der Stadt der Kratzendraht gezogen werde und seit mehr als 40 Jahren das Gewerbe auf dem Lande betrieben sei“. Zu diesen Drahtziehern auf dem Lande gehörten auch die der Bauerschaft Ihmert. Rechnet man nun 40 Jahre zurück, so ergibt sich, dass der Beginn des Drahtziehens im Ihmerter Tal um 1640, also in den letzten Jahren des 30jährigen Krieges angenommen werden kann.

geschrieben von Pfarrer Karl Thom
entnommen aus "Der Schlüssel" 1960 - Das Drahtzieherhandwerk im Ihmerter Tal

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