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Das 19. Jahrhundert

Eine schwere Zeit brach herein, als 1806 Deutschland unter französische Herrschaft geriet. Auch das Ihmerter Tal erlebte den Durchmarsch franzö­sischer Truppen. Die oben in Ihmerterbach gelegene Wiese, noch heute „Franzosenwiese" genannt, erinnert daran, dass damals eine Abtei­lung französischer Soldaten hier ihr Lager aufgeschlagen hatte. Die Niederlage der französischen Armee bei Leipzig im Oktober 1813, der schon 8 Tage später die Flucht des von Napoleon eingesetzten „Königs von Westfalen", Jerômes, von Kassel über Arnsberg, Hemer und Iserlohn folgte, machte dieser Gewaltherrschaft ein schnelles Ende.

Für das Gewerbe, und damit auch für das Drahtzieherhandwerk, schuf die französische Verwaltung durch die Einführung der Gewerbefreiheit 1809 neue Verhältnisse. Die Zünfte und deren Ordnungen wurden aufgehoben. Gesellen- und Meisterprüfungen gab es nicht mehr. Jedem stand es frei, ein Gewerbe zu betreiben, ob er dazu geeignet und fähig war oder nicht. Wer einen Patentschein käuflich erworben hatte, war berechtigt, das ent­sprechende Handwerk auszuüben "). Es ging der französischen Verwaltung weniger um eine Förderung des Handwerks als vielmehr darum, Geld für ihre militärischen Zwecke herauszuschlagen. Die nach dem Abzug der Franzosen wieder eingesetzte preußische Regierung behielt die Gewerbe­freiheit bei; aber an die Stelle der Zünfte traten die Innungen, deren An­ordnungen für die Ausübung des Handwerks verbindlich wurden. 

Eine neue Situation ergab sich für das Kratzendrahtgewerbe durch die Auflösung der Stapelgesellschaft in Iserlohn im Jahre 1814 auf Grund von Erlassen der preußischen Regierung. Die bisherigen Eigentümer der Draht­rollen, die zugleich Mitglieder der Stapelvereinigung waren, verloren das Interesse an ihrem Besitz, zumal die Auflösung mit großen Verlusten er­folgte und bei der damaligen ungünstigen Geschäftslage die früher er­zielten Gewinne nicht mehr zu erwarten waren. Eine Rolle nach der ande­ren ging nun durch Verkauf in den Besitz der Drahtzieher selbst über, und zwar in der Weise, dass mehrere von ihnen eine Drahtrolle erwarben. Die Anteile an dem Besitz waren vielfach verschieden. Je größer dieser war, umso mehr Scheiben standen auch dem Drahtzieher zu. Noch bis in die 80er Jahre gab es auf einigen Rollen des Ihmerter Tales solchen gemein­samen Besitz.

Zu den 5 Drahtrollen in Ihmertbach, vom „obersten Röllken" bis zum „Kuckuck", die es um 1800 gab, kam zwischen der „Sinnerhop-" und der „Melchersrolle" neu hinzu der sogenannte „Käbbel". Wann und von wem diese Drahtrolle gebaut worden ist, konnte bisher nicht festgestellt wer­den. Da diese Rolle kein eigenes Staubecken besaß, waren die Draht­zieher in ihrer Arbeit abhängig von dem Wasser, das von der „Sinnerhoprolle" herabkam. Das führte häufig zu Auseinandersetzungen (Kabbeleien) der beteiligten Drahtzieher und gab damit Anlass für die Entstehung des Namens der Drahtrolle. Fest steht, dass in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts hier Draht nicht mehr gezogen wurde.

Die einzige um 1800 in Bredenbruch vorhandene Drahtrolle, das „rote Röllken", hat nur bis in die 60er Jahre bestanden. In den im 2. Abschnitt des 3. Kapitels erwähnten Auf­zeichnungen des Hermann Dietrich Graumann, heißt es nämlich: „1867 bauten wir und H. Hülter unsere neue Drahtrolle". Außer dieser hat es im unteren Teil von Bredenbruch noch 2 andere Rollen gegeben, die eben­falls nur bis in die letzten Jahrzehnte des Jahrhunderts hinein in Betrieb gewesen sind.

Um 1850 gab es also im Ihmertertal 9 und gegen Ende des Jahrhunderts 6 Drahtrollen, und zwar:

in Ihmerterbach das „oberste Röllken", die „Becken-", die „Sinnerhop-", die „Melchersrolle" und den „Kuckuck",

in Bredenbruch die Rolle von Graumann und Hülter.

Da die in Ihmerterbach gelegenen Rollen bereits zu Anfang des 18. Jahr­hunderts bestanden haben, wie sich aus der Urkunde von 1727 ergab (siehe Seite 5), sind diese die ältesten des Ihmerter Tales. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erlebte das Kratzendraht­gewerbe einen Tiefstand wie kaum jemals zuvor. Die Ursachen waren nicht allein die Kriegszeiten und deren Auswirkungen, sondern auch die Tatsache, dass der auf den Rollen  in gewohnter Weise gezogene Draht nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach. Verbesserungen in der Herstellung, die man nach dem Vorbild englischer Drahtziehereien ein­führte, wirkten sich günstig aus. So erfuhr dieses Gewerbe in den 50er Jahren eine neue Blütezeit. Die Handelskammer von Iserlohn berichtet dar­über 1861: „Die Anfertigung von Kratzendraht ist hier im Kreise wieder zu solcher Vollkommenheit gelangt, dass sie jeder gerechten Anforderung entsprechen darf.".

Eine Erweiterung des Drahtziehergewerbes im Ihmerter Tal geschah da­durch, dass neben Kratzendraht nun auch Blumen- und Heftdraht auf eini­gen Rollen gezogen wurde und die Drahtzieher der „obersten" und der „Beckenrolle" in den 70er Jahren dazu übergegangen waren, Draht nicht nur zu ziehen, sondern auch zu verzinnen und zu verzinken. Die Arbeit auf den Rollen begann am frühen Morgen und ging bis zum späten Abend. Unterbrechungen gab es, wenn nicht genügend Wasser vorhanden war oder auf dem Kotten, den die meisten Drahtzieher be­saßen, dringende Arbeiten, namentlich in der Heu- und Knollen-(Kartoffel) Ernte, ihre Mithilfe notwendig machten. Bis in die 80er Jahre waren es kleine Mengen Draht, die täglich auf den Rollen gezogen und abends nach Hause getragen wurden. Von Zeit zu Zeit brachte man ihn in einer Karre, von einem Esel, später einem Pferd gezogen zu dem Händler, in dessen Auftrag dieser angefertigt worden war. Der größte Teil ging auch in dieser Zeit nach Iserlohn. Fleiß und Ausdauer in der Ausübung dieses Handwerkes auch in Krisenzeiten zeichneten die Drahtzieher aus. Sie ha­ben damit den Grund gelegt zu der Entwicklung dieses Gewerbes in neuerer Zeit!

Und noch ein anderer Charakterzug jener Drahtzieher sei hier erwähnt. In seiner Biographie des Pfarrers Johann Abraham Strauß, der von 1782-1834 Pfarrer der Kirchspielsgemeinde Iserlohn war, berichtet Emil Frommel: „Strauß traf die Gemeinde in traurigem Zustand an. Die Kirche war ver­fallen und verschuldet und die Gemeinde, wenn auch äußerlich kirchlich, innerlich tot. Was an Licht und Wärme da war, stammte teils von der Brüdergemeinde her, die dort Glieder ihrer Diaspora hatte, teils aus dem äußersten südlichen Winkel der Pfarrei, dem Sauerland, unter dessen Drahtziehern reges christliches Leben herrschte. Das kleine Häuflein war des Pastors Trost und Halt in seiner schweren Arbeit". Zu diesem Kreis gehörten auch die Drahtzieher des Ihmerter Tales. Sie scheuten den weiten Weg durch den Glüsing zum Besuch des Gottesdienstes nicht. Manche unter ihnen nahmen regelmäßig teil an den Stunden der Brüdergemeinde in der Nachbarschaft. Eine im Ihmerter Tal alteingesessene Drahtzieher­familie war es, aus der damals ein Missionar der Brüdergemeinde hervor­gegangen ist: Friedrich Erdmann, geb. 1810 in Ihmerterbach, gest. 1873 in Königsfeld, im Missionsdienst unter den Eskimos in Labrador von 1834-1872.

geschrieben von Pfarrer Karl Thom
entnommen aus "Der Schlüssel" 1960 - Das Drahtzieherhandwerk im Ihmerter Tal

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